NINA KUCHENMEISTER
Psychologische Beratung
Coaching für Hochbegabung & Hochsensitivität & Synästhesie

HOCHSENSITIVITÄT
Das Thema Hochsensibilität und Hochsensitivität erhält in unserer Gesellschaft zunehmend eine Bedeutung. Elaine Aron, eine US-amerkianische Psychologin, hat den Begriff Hochsensibilität erstmals in den 90er Jahren geprägt. Ihren Forschungen zu Folge sind etwa 15-20 % der Bevölkerung hochsensibel. Doch was bedeutet es eigentlich, hochsensibel zu sein?
Oft wird Hochsensibilität mit Menschen in Verbindung gebracht, die in vielerlei Hinsichten besonders empfindlich sind und sich gerne "anstellen". Doch so einfach ist das nicht. Hochsensible Personen (HSP) verfügen, im Gegensatz zu nicht HSP, über eine wesentlich feinere Art der Wahrnehmung. Sie nehmen Reize viel intensiver auf und spüren bzw. erleben diese entsprechend stärker.
Hochsensibilität kann sich auf alle Sinneswahrnehmungen beziehen: das Hören, Riechen, Sehen, Schmecken und Tasten. Aber auch Gefühle und Stimmungen nehmen HSP besser wahr. So ist es möglich, dass eine HSP einen Raum betritt und sofort spürt, in welchen Beziehungen die Menschen zueinander stehen.
Merkmale und Eigenschaften von Hochsensibilität
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hohe Sensibilität im Hinblick auf Geräusche, Gerüche, Geschmäcker, Konsistenzen oder Stoffe (z.B. Wollpullover)
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hohe Sensibilität in Hinblick auf Koffein, Medikamente oder Hormone
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ausgeprägtes Ruhebedürfnis nach Kontakt mit vielen Menschen oder lauten Umgebungen
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Gefühl der Andersartigkeit
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sehr gute Intuition
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subtile Wahrnehmung/Gespür für Unwahrheiten
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Perfektionismus
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komplexes Innenleben
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ausgeprägtes Interesse an Details
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hohe Kreativität
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hoher sozialer Gerechtigkeitssinn
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Vermeidung von Filmen/Serien mit Gewaltszenen
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wirken nach außen hin oft schüchtern/introvertiert
Die Merkmale und Eigenschaften von Hochsensibilität sind vielfältig und hier sicherlich nicht abschließend. Das Erleben von hoher Sensibilität ist höchst individuell. Der eine reagiert auf einen Reiz hin sehr stark, der andere nimmt den gleichen Reiz vielleicht kaum wahr. Doch eines haben HSP in der Regel gemeinsam, das Gefühl, irgendwie anders zu sein.
Gefühl der Andersartigkeit
Viele hochsensible Menschen sind von dem ständigen Gefühl begleitet, irgendwie anders als die anderen zu sein. Aufgrund dessen, dass Reize wesentlich intensiver auf sie wirken, ist dies nicht besonders verwunderlich. HSP nehmen Reize nicht nur viel intensiver auf, sie müssen diese auch verarbeiten. Über Begebenheiten, Situationen und Handlungen denken sie somit oft länger nach. Dies führt schließlich auch dazu, dass sich ihre Denkprozesse und Ergebnisse zu denen von nicht HSP häufig unterscheiden. Im Alltag ist dies nicht nur sehr anstrengend, sondern bietet auch ein hohes Konfliktpotenzial. HSP verfügen oft über eine hohe Intuition und beziehen diese in ihre Entscheidungen mit ein. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, Sachverhalte rational zu erklären. Denn aufgrund ihrer sensiblen Wahrnehmung "wissen" sie vieles einfach. Nicht selten erhalten sie von außen das Gefühl, ihre Ansichten seien falsch, da ihre Art der Wahrnehmung so wenige Menschen teilen. Das permanente Gefühl, nicht verstanden zu werden, wirkt sich letztendlich auch auf das Selbstkonzept aus. Und gerade für HSP ist dies so gefährlich, da sie nicht nur über alles nachdenken, sondern zudem häufig nach Perfektion streben.
Vorteile und Nachteile
Hochsensible Menschen sind besonders für Berufe geeignet, die eine hohe Empathie, Gewissenhaftigkeit oder Kreativität erfordern. In sozialen Berufen zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie bei ihren Klienten Bedürfnisse, Ängste oder Leiden oftmals bereits spüren, bevor sich diese überhaupt äußern können. Sie sind sehr gewissenhaft und sorgen stets dafür, dass es gerecht zugeht. Sie sind bemüht Menschen dort einzubeziehen, wenn diese Ausgrenzung erfahren. In der Kunst- und Musikbranche lassen sich ebenfalls viele HSP finden. Denn dort wird ihre feine Art der Wahrnehmung sowie das Streben nach Perfektion ebenfalls sehr geschätzt.
Doch auch wenn wenn Hochsensibilität viele Vorteile mit sich bringt, so gibt es auch Nachteile - zumindest im Hinblick auf das Leben in unserer Gesellschaft. Aufgrund der erhöhten Reizaufnahme sind HSP in der Regel wesentlich schneller erschöpft und benötigen von daher öfters Ruhephasen. Auch nehmen sich HSP vieles mehr zu Herzen, wenn sie Ungerechtigkeiten erfahren oder andere in Not sehen. Eine (emotionale) Abgrenzung fällt ihnen schwer. HSP befinden sich häufig in einem Kontinuum zwischen Über- und Unterforderung. Auf der einen Seite benötigen sie aufgrund der Reizüberflutung häufiger eine Auszeit, auf der anderen Seite können sie aufgrund der feinen Wahrnehmung und ihrer Perfektion aber auch sehr viel leisten. Leider gelingt es nicht allen HSP, diesen Schmalen Grad zu überwinden. Denn die Begebenheiten in unserer Gesellschaft sind nur selten für hochsensible Menschen ausgelegt. Nach außen hin wirken sie oft schüchtern, langsam oder wenig belastbar. Bei anderen Bedingungen hingegen könnten HSP jedoch erstaunlich viel erreichen.
